Mittwoch, 28. Juli 2010

[Rezension] Jules Verne: Das Geheimnis des Wilhelm Storitz ***

DAS GEHEIMNIS DES WILHELM STORITZ
Die Originalfassung
Phantastischer Roman

Autor: Jules Verne
Verlag: Piper (2009)
OT: "Le Secret de Wilhelm Storitz" (Société Jules Verne, 1985)
Taschenbuch, 271 Seiten (mit Vorwort)
ISBN 978-3-492-26692-5
Link zu Amazon

Klappentext:
Der größenwahnsinnige Wissenschaftler Wilhelm Storitz würde sein Leben dafür geben, die schöne Ungarin Myra für sich zu gewinnen. Um seinen Nebenbuhler loszuwerden, greift Storitz zu einem verhängnisvollen Mittel: einer Formel, die unsichtbar macht...
Dieser bedeutende Roman Jules Vernes war bislang nur in einer stark veränderten und entschärften Fassung erhältlich. Nun liegt erstmals die ursprüngliche Version des phantastischen Abenteuers vor, wie Verne selbst es erdacht hat. Vervollständigt durch eine Einführung von Franz Rottensteiner, offenbart das Original die ganze Dimension eines der faszinierenden Werke der klassischen phantastischen Literatur.

Kommentar:
Dieses Buch habe ich für die Station 3 der Fantasy-Challenge gelesen, obwohl ich mir nicht sicher bin, dass das hier wirklich ins Genre passt. Immerhin läuft es bei Piper unter Fantasy, aber ich kann das leider nicht beurteilen. Ich hoffe, du lässt das gelten, Soleil, vor allem, weil du es selbst hier vorgeschlagen hast ;-).

Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive von Henry Vidal, einem französischen Eisenbahn-Ingenieur erzählt, dessen Bruder Marc, ein begabter Portrait-Maler, ihn bittet, nach Ungarn zu reisen. Marc hat dort nämlich die bezaubernde Myra Roderich, Tochter aus angesehenem Hause, kennengelernt, und die beiden wollen heiraten.
Kurz bevor Myra Marc kennengelernt hat, hat jedoch bereits ein anderer junger Mann um ihre Hand angehalten und wurde von der Familie abgewiesen. Bei dem jungen Mann handelte es sich um Wilhelm Storitz, Sohn des verstorbenen Chemikers Otto Storitz, der ob seiner zahlreichen Erfindungen gerühmt, jedoch mancherorts auch als Magier betrachtet wird. So auch von der abergläubischen Bevölkerung im Ungarn des späten 19. Jahrhunderts.
Wilhelm Storitz, der wiederholt von der Familie Roderich abgewiesen wird, greift zu drastischen Mitteln, um die geplante Hochzeit zu verhindern und Myra für sich zu gewinnen.

Das Buch beginnt mit der Schilderung von Vidals Reise von Paris über Wien nach Ungarn, in die fiktive Stadt Ragz an der Donau. Weite Teile der Erzählung sind der detailreichen Schilderung von Landschaften, Gebäuden und Menschen gewidmet, auf den ersten hundert Seiten passiert praktisch gar nichts. Dann taucht erstmals der Unsichtbare auf und versetzt eine Abendgesellschaft in Angst und Schrecken.
In weiterer Folge bringt der unsichtbare Storitz die ganze Bevölkerung von Ragz gegen sich auf, die allerdings auch vorher auf den geheimnisvollen, eigenbrötlerischen Preußen schon nicht gut zu sprechen war.

Ich habe noch nie zuvor ein Buch von Jules Verne gelesen, aber ich bin sehr angetan von seiner schönen Sprache. Leider fand ich die vielen Schilderungen der Umgebung nach einiger Zeit so langweilig, dass ich nur mehr drübergelesen habe. Verne schildert die Ungarn des 19. Jahrhunderts als stolzes Volk, das mit den Franzosen einen freundschaftlichen Umgang pflegt, die Deutschen jedoch, und da vor allem die Preußen, verachtet. Das Buch ist eigentlich vielmehr eine interessante Schilderung der Gesellschaft, als ein phantastisches Abenteuer, das für mich etwas zu sehr in den Hintergrund tritt. Beinahe hatte ich den Eindruck, es wird nur nebensächlich abgehandelt. Auch finde ich, dass Verne sich über die Umstände der Unsichtbarkeit nicht genügend Gedanken gemacht hat. Storitz ist im Besitze eines Elixiers, das unsichtbar macht, sowie offensichtlich eines zweiten Mittels, das in wieder sichtbar machen kann. (Genaues erfahren wir darüber nicht, da die Geschichte ja aus der Perspektive von Henry Vidal erzählt wird, der das alles nicht wissen kann.) Nun wird Storitz unsichtbar, und mit ihm alles, was er am Leib trägt. Nicht jedoch Dinge, die er später in die Hand nimmt. So schwebt z.B. Myras Brautkranz durch den Raum, während er vom unsichtbaren Storitz gestohlen wird. Kann denn das eingenommene Elixier auch die Kleidung durchdringen? Und wie sieht es aus, wenn ich in unsichtbarem Zustand meine Kleidung wechsle? Verne behauptet außerdem, dass die Personen zwar unsichtbar sind, jedoch berührt werden können, sie sind also noch immer körperlich. Wie kommt es dann, dass eine unsichtbare Person, die in einem Bett liegt, nicht bemerkt wird? Sie müsste doch die Matratze eindrücken, oder die Decke müsste scheinbar schweben. Tut mir leid, Monsieur Verne, aber das ist nicht so ganz ausgeklügelt!

Wichtiger Hinweis:
In diesem Buch befindet sich ein interessantes Vorwort. Bitte jedoch keinesfalls vorher lesen, denn in diesem Vorwort wird das Ende der Geschichte verraten!

Fazit:
3 Sterne für einen nicht ganz durchdachten, jedoch durchaus unterhaltsamen phantastischen Roman, der etwas langsam in die Gänge kommt, zum Ende hin aber doch noch ganz spannend wird.

Kommentare:

  1. Diesen Roman von Jules Verne kenne ich nicht, scheint ja ein netter Einstieg gewesen zu sein.

    Hm... Was das Durchdringen angeht: Vermutlich durchdringt das Elixier nur die Kleidung, die er bei Einnahme trägt. Andere Dinge, die er danach berührt oder z.B. gewechselte Kleidung (oder Decken) müßten seine Form "umgeben". Das kann ich mir schon vorstellen ;) Aber zu Ende gedacht hat Verne es wohl nicht, sonst hätte er eine offenbar vorkommene Szene mit einer Matratze vor Dritten nicht beschrieben :)

    Lg Natira

    AntwortenLöschen
  2. Ja, das sind ein paar Unstimmigkeiten, ich konnte es aber nicht so genau erzählen hier, weil ich nicht spoilern wollte ;-)

    AntwortenLöschen
  3. Ich weiß gar nicht, warum ich das mit aufgelistet habe. Wahrscheinlich, weil ich so fasziniert davon war, seinen Namen im Genre zu sehen. Gelesen habe ich als Kind alles von ihm, die Bücher stehen noch bei meinen Eltern.
    Schade, dass es nicht so Deins war, aber das macht nichts, dann liest Du halt noch ein anderes ;)
    PS: Ganz wichtig: E-Mail an mich, dass ich es nicht doch ausversehen übersehe! ;)

    AntwortenLöschen
  4. Ne du, Station 3 ist für mich abgehakt!
    Link hab ich dir schon geschickt!

    AntwortenLöschen
  5. Muss ja nicht unbedingt Station 3 sein ;)
    Und eingebaut in die Hauptliste bist Du auch schon ;)

    AntwortenLöschen