Heute ausgelesen habe ich Afterdark von Haruki Murakami, das eigentlich mehr ein Romanfragment oder eine Erzählung ist, als ein Roman.
Die Geschichte ist ein bisschen dürftig für meinen Geschmack und außerdem befinden sich in dem Buch haufenweise leere Seiten, die aber bei der Gesamtseitenzahl mitgezählt werden. Mindestens 3 vor jedem der 18 Kapitel und seltsamerweise beginnt das Buch mit Seite 9.
Ich hab mich gefragt warum und mal rückwärts gezählt. Konsequenterweise hätte man das erste Blatt im Buch auch noch mitzählen können.
Und den Einband auch gleich.
Auf jeden Fall kommen die guten Leute mit dieser Zählung auf 237 Seiten, die das Buch aber definitiv nicht hat. Abzüglich der 56 Leerseiten sind es gerade mal 181.
Ich bin jetzt vielleicht kleinlich, aber ich hab mich heute wirklich geärgert, weil ich den ganzen Vormittag beim Arzt warten musste, und das Buch schon aus war, bevor ich mit meiner Untersuchung fertig war...
Naja, ich will trotzdem eine kurze Rezension schreiben.
Die Story:
Das Buch beginnt um 23:56 Uhr und endet um 06:52 Uhr. Dazwischen passiert folgendes:
Mari, ein 19jähriges Mädchen sitzt in einem Restaurant, in die Lektüre eines dicken Buches, dessen Titel und Inhalt man niemals erfährt, vertieft. Da taucht Takahashi auf, der sie vor zwei Jahren mal getroffen hat. Er erkennt sie gleich wieder und setzt sich zu ihr. Obwohl sie am Anfang eher abweisend reagiert, beginnen die beiden dann doch noch ein Gespräch, das mit mehreren Unterbrechungen die ganze Nacht dauert. Takahashi spielt Posaune in einer Band und probt gerade in der Nähe. Während er wieder zurück bei seinen Proben ist, wird Mari von einer Frau, die sich als Kaoru, eine Bekannte von Takahashi vorstellt, gebeten, mit ihr in ein Love-Hotel in der Nähe, dessen Geschäftsführerin sie ist, mitzukommen, um mit ihren chinesischen Sprachkenntnissen dort auszuhelfen. In dem Hotel trifft Mari auf eine gleichaltrige chinesische Prostituierte, die zuvor von einem Freier zusammengeschlagen worden ist. Nachdem diese notdürftig verarztet worden ist, wird sie von ihrem Zuhälter auf einem Motorrad abgeholt.
Mari wird von Kaoru wieder in einem anderen Restaurant abgesetzt, wo später wieder Takahashi dazukommt. Sie gehen in einen verlassenen Park und füttern dort Katzen.
Kaoru macht unterdessen den Freier, der die junge Chinesin mißhandelt hat, auf dem Überwachungsvideo ausfindig und übergibt einen Ausdruck des Fotos dem Zuhälter des Mädchens. Über den Freier erfährt man, dass er ein Anzug-und-Krawatte-tragender Angestellter ist, der nachts arbeitet, und sich offensichtlich häufiger mit Prostituierten in dem Love-Hotel trifft, bevor er dann nachhause zu Frau und Kindern fährt.
Einige immer wieder eingestreute Kapitel erzählen außerdem die Geschichte von Maris wunderschöner Schwester, die zuhause schläft. Wie sich im Laufe der Geschichte herausstellt, tut sie das bereits seit 2 Monaten.
Kommentar:
Murakami erzählt aus der Perspektive einer Kamera, die von oben alles beobachtet. Er verbrüdert sich mit dem Leser zu einem "wir" (oder verschwestert sich mit der Leserin...). "Wir" betrachten also die ganzen Vorkommnisse dieser Nacht, lauschen den Dialogen, kriegen aber aufgrund der Perspektive absolut nichts von den Emotionen der beobachteten Personen mit. Alles wird wie ein neutraler Bericht geschildert.
Leider bekommen die handelnden Personen und auch die Szenerie keinerlei Tiefe, keine Farbe. Es entstehen keine Bilder im Kopf. Die Geschichte zwischen Mari und dem Posaunisten Takahashi könnte sich eventuell zu einer netten kleinen Love-Story entwickeln, aber nicht in diesem Buch, denn noch bevor irgendwas passieren kann, ist es schon aus.
Besonders langweilig fand ich die Kapitel um Maris Schwester Eri, die zwei Jahre älter ist und als Model gearbeitet hat. Eri wacht den ganzen kurzen Roman lang nicht auf, verlässt aber trotzdem auf unerklärliche/ungeklärte Weise ihr Bett und landet in einem Raum, der auf dem Bildschirm ihres (nicht angeschlossenen!) Fernsehers zu sehen ist. Ich frage mich, was der Autor damit sagen wollte. Meiner Meinung nach ein missglücktes mystisches Element, das irgendwie fehl am Platz wirkt.
In der ganzen Geschichte kommt leider keinerlei Spannung auf, eigentlich passiert ja auch gar nichts. Man erfährt zwar, warum Mari die Nacht lieber allein in einem gefährlichen Vergnügungsviertel verbringt, als bei ihrer Familie und warum Takahashi die Band verläßt um sein Studium endlich ernsthaft fortzuführen, alles andere jedoch bleibt ungeklärt und zum Schluß offen. Man könnte meinen, die Geschichte sei der Entwurf zu einem Roman, den man darauf aufbauen könnte, ist es aber meines Wissens nach nicht.
Fazit:
Haruki Murakami wird als japanischer Kultautor bezeichnet, dieses Buch kann seinen Ruf jedoch auf keinen Fall begründet haben, und kriegt von mir wegen schmerzhafter Langeweile auch nur 2 Sterne.